Vorwort

von Ludwig Erich Schmitt

Im Sommer 1958 überreichte Robert Bruch mir als Direktor des Forschungsinstituts Deutscher Sprachatlas sein vorläufiges Manuskript zu einem Luxemburgischen Sprachatlas für das Kartenarchiv unseres Instituts, da er zunächst keine Möglichkeit sah, ein solches Werk zum Druck zu bringen. Das Manuskript bestand aus Karten zum Laut- und Formenbestand des Luxemburgischen in Anlehnung an den Deutschen Sprachatlas von Wenker und Wrede. Es erwuchs als Vorarbeit zu Bruchs selbständigen Publikationen der Jahre 1953 bis 1955. Er glaubte es in unserem Institut für Benutzung und eine später mögliche Drucklegung am besten aufgehoben.

In unserem Gespräch konnte ich nur von Plänen zu Regionalatlanten des deutschen Sprachgebietes berichten und die Hoffnung für einen baldigen Druck äußern. Herr Bruch wollte bei einer solchen Möglichkeit das Manuskript ergänzen und mit den wissenschaftlichen und technischen Hilfsmitteln des Marburger Instituts selber druckfertig machen.

Niemand von uns ahnte, daß Robert Bruch schon ein Jahr später, am 22. Juli 1959, erst 39 Jahre alt, durch einen tödlichen Autounfall aus unserer Mitte gerissen würde. Nicht nur die luxemburgische sprachliche Landesforschung, auch die deutsche Dialektologie und die germanistische und europäische Linguistik begruben mit ihm eine große Hoffnung. Nach dem Studium der Germanistik und Romanistik in München, Erlangen, Paris und Marburg promovierte er 1952 in Marburg bei Walther Mitzka mit seiner GRUNDLEGUNG EINER GESCHICHTE DES LUXEMBURGISCHEN. Sie erschien 1953 in Luxemburg im Druck. Neben seiner Arbeit als Lehrer am Gymnasium in Luxemburg beteiligte er sich führend an der luxemburgischen Sprachforschung, der heimatlichen Sprachpflege, publizierte eine erstaunliche Zahl von Abhandlungen, die wie schon die Dissertation ins Deutsche, Germanische, Französische und Europäische ausgriffen. Zu seines hochverehrten Lehrers Mitzka 75. Geburtstag erschien noch aus seinem Nachlaß die Abhandlung GERMANISCHE UND ROMANISCHE ê- UND ô-DlPHTHONGIERUNGEN (= Deutsche Wortforschung in europäischen Bezügen. Untersuchungen zum Deutschen Wortatlas Band 2, Gießen 1963, S. 409-467). Mit einer Habilitationsschrift GLOSSARIUM EPTERNACENSE. SPÄTALTHOCHDEUTSCHE GLOSSEN AUS ECHTERNACH wollte er sich an der Universität Bonn habilitieren, wollte ihn Hugo Moser für die rheinische Sprachforschung im weitesten Sinne nach Bonn ziehen (vgl. Hugo Moser, Robert Bruch zum Gedächtnis. In: Zeitschrift für Mundartforschung 27, 1960, S. 193 ff. mit Schriftenverzeichnis).

Es ist für unser Institut eine ehrende Pflicht, den wissenschaftlichen Nachlaß eines seiner bedeutendsten Mitglieder und Forscher edieren zu helfen. Zusammen mit Frau G. Bruch, Hugo Moser in Bonn, H. Palgen und E. Ludovicy, mit der sprachwissenschaftlichen Sektion des Großherzoglichen Instituts in Luxemburg haben wir den Luxemburgischen Sprachatlas von Robert Bruch für den Druck vorbereitet. Die großzügige Druckbeihilfe der Luxemburgischen Staatsregierung ermöglichte das Erscheinen.

Es traf sich glücklich, daß in Dozenten Dr. Jan Goossens ein wissenschaftlicher Nachbar aus dem belgischen Limburg als Mitglied unseres Instituts den fehlenden Kommentarband in der Einleitung soweit möglich ersetzen konnte. Die Zeichenarbeiten erledigte Assistent J. Eichhoff, die Reinzeichnung übernahm der wissenschaftliche Zeichner des Instituts, H. Scholz, Fräulein Dr. M.-L. Linn überwachte den Druck.

Allen Genannten gebührt der Dank für vielfältige Hilfe, nicht zuletzt auch dem unermüdlichen Verleger, Herrn Dr. Braun-Elwert.

Im Jahre 963 erbaute ein Graf Siegfried aus dem Ardenner Gau ein festes Kastell auf dem Bockfelden, das er Lucilinburhuc nannte. Stadt und Großherzogtum feiern aus diesem Anlaß 1963 ihr tausendjähriges Gründungsfest. Alle an diesem Vermächtnis von Robert Bruch beteiligten Mitarbeiter bringen Stadt und Land ihre besten Wünsche dar.