Die Umzeichnung

Die Hauptaufgabe bei der Umzeichnung war, mittels einer einzigen Farbe der Deutlichkeit der Kartenbilder, die Bruch im Ms. durch die Verwendung verschiedener Farben erreichen konnte, so weit wie möglich nahezukommen. Weiter mußte eine Reihe von kleinen Inkonsequenzen, die zwar dem wissenschaftlichen Wert der Arbeit keinen Abbruch tun, aber doch dem ästhetischen Aspekt der Karten schadeten, beseitigt werden.

Die handschriftlichen Karten sind in der Regel vielfarbig. Bruch schrieb die verbreitetste Lautform mit schwarzer Tinte groß in die Legende und in das betreffende Gebiet. Die einzelnen Orte, wo diese Hauptleitform gilt, sind nicht mit einem Sonderzeichen versehen. Nur wenn sie als Abweichung in anderen Gebieten vorkommt, ist diese Form außerhalb des Hauptgebietes durch ein Sonderzeichen angedeutet; in der Legende ist sie dann ebenfalls mit dem betreffenden Zeichen versehen. Weil auf den einzelnen handschriftlichen Karten die Belegorte nicht als solche gekennzeichnet sind, hatte dieses Verfahren den Nachteil, daß man, um die Dichte des Belegnetzes im Gebiet der Hauptleitform zu kennen, jedesmal die Karten mit der Karte der abgefragten Orte vergleichen mußte. Das war besonders hinderlich, wenn auch die belgischen Belegorte oder ein Teil davon die Hauptleitform hatten, weil in diesem Teil des Untersuchungsgebietes das Netz sehr weitmaschig ist. Nur für 14 von 68 [23] auf der Grundkarte vorkommenden Orte ist hier Material vorhanden, so daß die einfache Einbeziehung (eines Teiles) des belgischen Gebietes in das Gebiet der Hauptleitform eine Einheitlichkeit vortäuschen konnte, die vielleicht nicht immer vorhanden ist.

Wir haben die doppelte Schwierigkeit folgendermaßen gelöst: erstens sind auf dem grauen Unterdruck die Kreise der Belegorte ausgefüllt; zweitens wurde auf die belgischen Orte, wo die betreffende Leitform gilt, ein Zeichen für diese Form gesetzt [24]. Damit hängt zusammen, daß in den Legenden in der Regel die Leitformen mit einem Zeichen versehen sind, im Gegensatz zum Ms., wo das nur der Fall ist, wenn sie außerhalb ihres Gebietes auch noch vereinzelt vorgekommen. Die Isoglossen haben wir nicht auf belgischem Boden weitergezogen.

Wenn die Angaben zweier Karten einander ausschließen, d.h. wenn die Antworten auf ein Wort des Wenkertextes auf zwei Karten verteilt sind, und auf beiden Karten eine Hauptleitform eingezeichnet ist, kann nicht entschieden werden, für welche Orte die Form der ersten und für welche die der zweiten Karte gilt. Das trifft auch zu für andere offensichtlich nicht überall belegten Wörter. Wir konnten in diesen, freilich nicht zahlreichen Fällen, nur jene belgischen Orte mit einem Zeichen versehen, die auch im Ms. ein Sonderzeichen hatten.

Gebiete, die eine andere als die Hauptleitform haben, sind im Ms. in der Regel mit farbigen Linien abgegrenzt. Die hier geltenden Formen sind meistens in derselben Farbe in die Gebiete eingeschrieben. Bald ist jeder Ort in diesen Gebieten mit einem (in der Legende erklärten) Zeichen versehen, bald nicht. Wir haben versucht, etwas einheitlicher zu verfahren. Wenn die Gebiete deutlich abgrenzbar waren, war es nicht nötig, die einzelnen Orte besonders zu bezeichnen: die Einzeichnung der Isoglossen reichte dann aus. Bei dichter Streuung einer bestimmten Form, die aber nicht eindeutig gebietbildend auftrat, war es besser, die Belege für die einzelnen Orte einzutragen als zu versuchen, die nicht kompakt zusammenhängenden Orte mittels einer Isoglosse in ein fragwürdiges umschlossenes Gebiet hineinzuzwängen. Die dichte Streuform ist dann in eckigen Klammern zwischen die einzelnen Zeichen geschrieben [25].

In diesem Zusammenhang muß darauf hingewiesen werden, daß die "Isoglossenfreudigkeit" Bruchs bisweilen bestimmt zu weit ging. Man kann sich eine Idee davon machen, wenn man unsere Karte 173 mit der Kartenskizze 15 in der Lux. GRAMM. (S. 119) vergleicht und sich dabei vor Augen hält, für welche Orte Material vorliegt und für welche nicht. Die u.E. nicht sinnvolle Grenze zwischen sief, sef und séi, säi auf der genannten Kartenskizze ist ohne Abweichung aus dem Ms. des LSA übertragen. Wir bemerken, daß dieses Beispiel keinen extremen Fall darstellt.

In solchen Fällen haben wir entweder die einzelnen Belegorte der Nebengebiete mit einem Zeichen versehen oder doch Grenzen gezogen, aber ohne zu versuchen, die abseits liegenden Orte in die Gebiete hineinzuzwängen. Diese Orte haben wir statt dessen mit dem zugehörigen Zeichen versehen. Angaben, die von der Leitform der Gebiete, in denen sie vorkommen, abweichen, sind übrigens immer durch ein spezielles Zeichen herausgehoben. Auch im Ms. ist das in der Regel der Fall, obwohl Bruch auch bisweilen solche Formen an der betreffenden Stelle voll ausschrieb.

Ein Komma vor einem Zeichen bedeutet, daß die durch das Zeichen angedeutete Form neben der für das Gebiet geltenden angegeben ist; sonst gilt für den betreffenden Ort nur die vom Zeichen vertretene Form.

Der erklärende Text in den Legenden ist im Ms. in der Regel in französischer Sprache abgefaßt. Die Vorbemerkung zum Atlas ist aber auf Deutsch geschrieben. Da der LSA in der Reihe "Regionale Sprachatlanten" des Deutschen Sprachatlas, deren Sprache das Deutsche ist, aufgenommen wurde, schien es uns wünschenswert, den Atlas in deutscher Sprache zu veröffentlichen.

Bruch verwendete die Lautschrift der Association phonétique internationale [26]. Obwohl in deutschen dialektologischen Veröffentlichungen das System der API nicht üblich ist, haben wir es beibehalten; eine systematische Umschreibung wäre ein allzugroßes Wagnis gewesen.

 


[23] Von den drei romanischen Orten abgesehen (s. oben).

[24] Das ist auch der Fall, wenn sie zu abgegrenzten kleineren Gebieten gehören, deren einzelne Angaben sonst nicht mit einem Zeichen versehen sind.

[25] Eine gestrichelte Linie (|||||||||||) hebt Gebiete mit einer bestimmten Form besonders hervor, darf aber nicht als Isoglosse verstanden werden.

[26] "Die vokalisch gedehnte Aussprache von l, m, n (ist) durch untergeschriebenes o bezeichnet" (Bruch in der Vorbemerkung).