Die Reihenfolge der Karten

In Bruchs Ms. sind die Karten in der Reihenfolge des Wenkertextes angeordnet. Wörter, die dieselbe Lauterscheinung illustrieren, hat Bruch gelegentlich auf einer einzigen Karte verzeichnet; sie gerieten dadurch aus der Ordnung des Wenkertextes. Es überschneidet also im Ms. ein zweites, auf der historischen Grammatik beruhendes Einteilungsprinzip ab und zu die ziemlich willkürliche Abfolge des Wenkertextes. Wir haben dieses zweite Prinzip der vorliegenden Veröffentlichung zugrunde gelegt, weil wir glaubten, dem Leser auf diese Weise die Arbeit leichter zugänglich zu machen. Als Ausgangspunkt wählten wir den mhd. Vokalismus [18]. Es ist aber deutlich, daß die Karten auch eine Fülle von Daten für den Konsonantismus und die Formenlehre enthalten. Um das Nachschlagen von Erscheinungen auf diesen Gebieten zu erleichtern, haben wir dem Inhalt ein alphabetisches Register zugefügt. Einige Karten, die Bruch eindeutig im Hinblick auf das Studium von Erscheinungen aus dem Konsonantismus oder der Formenlehre herstellte, haben wir am Ende des Atlasses zusammengebracht.

Bei der Umordnung haben wir selbstverständlich die Erscheinungen, die Bruch auf derselben Karte unterbrachte, zusammengelassen und umgekehrt die Erscheinungen, die Bruch getrennt hielt, indem er sie auf verschiedene Karten zeichnete, ebenfalls getrennt. M.a.W., das Kombinieren verschiedener handschriftlicher Karten oder das Zergliedern einzelner handschriftlicher Kombinationskarten haben wir uns nicht erlaubt [19]. Einige Inkonsequenzen waren aber unvermeidlich. Bruch verfügte über die Möglichkeit, seine Karten nach Wahl entweder auf undurchsichtiges Papier oder auf Pausblätter zu zeichnen. Deshalb konnte er Belege, die auf einem bestimmten Wort des Wenkertextes beruhen, über zwei oder mehrere Karten verteilen. Das Aufeinanderlegen dieser Karten ermöglichte es jedoch, alle Belege zugleich zu überblicken. Er benutzte mitunter Pausblätter bei der Kartierung von Synonymen, um gewisse Lautentwicklungen in bestimmten Gebieten besonders zu akzentuieren und auch bisweilen, wenn die Karten zweier dieselbe Lauterscheinung illustrierender Wörter aufeinander folgten.

Weil die Verwendung von Pausblätter für die Veröffentlichung ausgeschlossen war, hatten wir in diesen Fällen die Wahl, entweder die Trennung der im Ms. über mehrere Karten verteilten Belege beizubehalten (mit dem Nachteil, daß die Vergleichung schwieriger wurde), oder sie auf eine Karte zu bringen (mit dem Nachteil, daß die Karten unübersichtlicher wurden). In vier Fällen haben wir die letztere Lösung bevorzugt: bei den Karten 12 (im Ms. drei Karten), 69, 102 und 134 (im Ms. je zwei Karten). Dies und die Tatsache, daß wir eine Karte weggelassen haben [20], bedingt, daß der vorliegende Atlas einige Karten weniger als das Ms. umfaßt.

Aus der handschriftlichen dann/Salz-Karte haben wir nur die dann-Angaben in der vorliegenden Karte 4 aufgenommen, weil im Ms. auch eine besondere Salz-Karte vorkommt (vgl. Karte 6). Ebenfalls wurden aus der handschriftlichen Eis/mein-Karte nur die Eis-Angaben übernommen (Karte 112), weil das Ms. auch eine spezielle mein-Karte enthält (vgl. Karte 115). Das Material erst verteilte Bruch auf zwei Karten: den Vokalismus zeichnete er auf der Karte gelehrt ein (vgl. Karte 107), den geographisch verschiedenen Auslaut auf einer besonderen Karte (Karte 87 im Ms.). Durch unsere Umordnung war es nicht nötig, die zwei Erscheinungen getrennt zu behandeln, um so mehr als die Kombination die Karte nicht unübersichtlich macht (Karte 105) [21].

Der vorliegenden Reihenfolge der Karten liegt also die Auffassung zugrunde, daß die Bruchsche Arbeit an erster Steile ein Lautatlas ist. Trotzdem wird das lautgeographische Bild, das die Karten ergeben, wiederholt durch das Auftreten von Synonymen unterbrochen: Laut- und Wortgeographie überschneiden sich. In den meisten Fällen trug Bruch die abweichenden Bezeichnungen für einen bestimmten Begriff und das häufigste Synonym (oder das Wort des Wenkersatzes) in dieselbe Karte ein. Siebenmal aber zeichnete er die abweichenden Bezeichnungen auf eine oder zwei einzelne Karten. In sechs dieser sieben Fälle haben wir auf dieselbe Weise verfahren; diese Karten schließen sich der Lautkarte des wichtigsten Synonyms an (Karten 17, 20, 72, 125, 163) [22]. Den siebenten Fall bildet die Karte warm "stark" (Karte 12), die außer den Lautvarianten des Wortes warm auch alle andere Synonyme enthält (im Ms. sind die Synonyme auf drei Karten verteilt).

Um dem Benutzer einen Überblick über die wichtigsten wortgeographischen Ergebnisse der Bruchschen Arbeit zu gewähren, ist am Ende der Erläuterungen eine Liste der Synonyme enthaltenden Karten angefügt. Vereinzelte Synonyme stehen aber nicht in dieser Liste.

Weil die Karten wiederholt mehrere Bezeichnungen für einen Begriff enthalten, ist das lautgeographische Material mit der Lautgeographie der Stichwörter nicht erschöpft. Auch die Synonyme enthalten Material für die Lautgeographie, sei es auch meist für kleinere Gebiete. Außerdem begegnen bei bestimmten Wörtern morphologische Varianten, die grundsätzlich unter einen andern Vokalismus gerechnet werden müssen. Bestimmte Wörter (Zusammensetzungen) konnten unter zwei verschiedene Vokale eingereiht werden. Es war wünschenswert, auch all dieses nicht unwichtige Material leicht zugänglich zu machen. Deshalb findet der Leser am Ende jeder Liste der einen bestimmten Vokalismus vertretenden Wörter ein Verzeichnis der anderen Karten, die für die Untersuchung dieses Vokalismus ebenfalls von Bedeutung sind.

 


[18] Der „mhd." Vokalismus ist natürlich nicht direkt als Vorstufe, sondern als Vergleichungsgröße aufzufassen.

[19] In Bruchs Ms. vereinigt die Karte 173 (Wiese/über) zwei Wörter mit historisch verschiedenem, aber synchronisch weithin gleichem Vokalismus. Wir haben selbstverständlich auch diesen Versuch einer strukturalistischen Ordnung lautgeographischen Materials beibehalten: S. Karte 56.

[20] Karte 41 im Ms. Wir glaubten, diese Karte als einen nicht gelungenen Versuch betrachten zu müssen, die —st-/-St-Isoglossen bei einer Reihe einzelner Wörter, wofür die Angaben schon auf andere Karten eingetragen waren, zu zeichnen. Vgl. Karte 167 (Ms. Karte 40) und 168 (Ms. Karte 42).

[21] Drei Belege mit dempen , Synonym von kochen (vgl. LUX. WB. 193 und 202) hat Bruch irrtümlich auf der Karte anfängt (S. Karte 21), die im Ms. auf der kochen-Karte folgt, eingetragen. Im vorliegenden Band stehen sie auf der kochen-Karte (Karte 64).

[22] Die nähen-Belege konnten wir aber nicht auf die Karte büßen "nähen" folgen lassen, weil sie als Vergleichsmaterial auf der Karte mähen (103) eingezeichnet sind.